Schillernde Absurditäten

© Pawel Sosnowski

Kein Entrinnen vor innerer Entfremdung und unterdrückter Schuld: Gottfried von Einems Oper DER PROZESS nach Franz Kafkas gleichnamigem Romanfragment ist ab dem 24. September 2022 erstmals am Theater Regensburg zu sehen. 

Neugierig, was Sie in der ersten Musiktheater-Premiere dieser Spielzeit erwartet? Hier erfahren Sie mehr über die Inszenierung von Intendant und Operndirektor Sebastian Ritschel.

WORUM GEHT'S?

jemand musste josef k. verleumdet haben

So lauten die ersten Worte von Franz Kafkas surrealem Romanfragment, das unzählige Male für das Theater adaptiert wurde und von der mysteriösen Verhaftung des Bankprokuristen Josef K. erzählt.
„[...] denn ohne dass er etwas Böses getan hätte," fällt dieser einem undurchschaubaren Rechts- und Instanzensystem zum Opfer.

Wie es um das Schicksal dieses machtlosen Einzelnen im Kampf gegen eine allgegenwärtige höhere Gewalt steht? Sommers Weltliteratur to go erklärt die Handlung der literarischen Vorlage Franz Kafkas und bereitet Sie bestens auf Ihren Opernbesuch vor!

À propos: hören Sie doch einmal genau hin, an welcher Stelle der Oper sich dieses berühmte Zitat versteckt.

 

Titel

Sommers Weltliteratur to go | Der Process to go (Kafka in 9,5 Minuten)

 

DIE ALLGEGENWÄRTIGE PRÄSENZ EINER HÖHEREN GEWALT

„Wie eine archäologische Reise zum Innenleben des Romans," Regisseur und Ausstatter Sebastian Ritschel und Chefdramaturg Ronny Scholz sprechen in der aktuellen Ausgabe unserer Theaterzeitung über die Auseinandersetzung mit Kafkas Romanfragment und über Schuld, Absurdität und eine höhere Gewalt.

 

 

Wie klingt kafka?

Gottfried von Einems Oper DER PROZESS ist eine wahre Opernrarität, die mit ihrem peitschend-pulsierenden Sog eine musikalische Groteske kreiert und sängerische Spitzenleistungen fordert. Seit der Uraufführung während der Salzburger Festspiele 1953 war das Werk nur selten auf den Bühnen dieser Welt zu sehen. In Koproduktion mit den Landesbühnen Sachsen entstandt in der Spielzeit 2021-22 die Neuproduktion von DER PROZESS, die nun ihre Regensburger Erstaufführung feiert. 

 

Titel

Trailer zu DER PROZESS 

MEHR ALS WOHLKLANG

Die Musik, in die Gottfried von Einem Kafkas Romanfragment übersetzt hat, irritiert, verwundert und begeistert. Entgegen der generellen Strömung der damaligen Zeit, stand für Gottfried von Einem der Bezug zum Publikum im Fokus seiner Arbeit. Der Komponist beschreibt die Entwicklung wie folgt:
„Da der Kontakt zum Publikum dabei weitgehend verloren ging, führte das jedoch zu einer Art Ghetto-Bildung dieser Strömung. Dass inzwischen diese Mode so gut wie vorbei ist, ihr Diktat nicht mehr gilt und die ‚Postmoderne’ um sich greift, macht mich nicht traurig. Ganz besonders freut mich, dass einige meiner Schüler an diesem Umschwung hin zu mehr Publikumsnähe und weg von allzu großer Artifizialität maßgeblich beteilift waren." — Gottfried von Einem: Ominöse Zwölftonreihe
 

DAS ORCHESTER ALS HAUPTDARSTELLER

„Der Hauptdarsteller dieser Oper ist das Orchester. Es führt gegenüber den Figuren auf der Bühne ein Eigenleben,“ schreibt Heinz Karl Gruber, ein früherer Schüler von Gottfried von Einem. Wie eine tickende Zeitbombe wird das Drama auf der Bühne rhythmisch-pulsierend vorangetrieben. Die Orchesterbesetzung, die von der klassischen Besetzung eines Symphonieorchesters abweicht, unterstreicht dies zusätzlich: dominierende Bläser, Orchesterklavier mit stark perkussiver Funktion und Streicher, die den perkussiven Charakter unterstützen. Dies spiegelt sich auch in den Gesangspartien, die sich dem strengen Rhythmus unerbitterlich unterordnen.

 

Titel

Josef K. Darsteller Tenor Daniel Pataky erklärt, was das Werk so besonders macht. | Foto: Pawel Sosnowski