Konzert
2. Philharmonisches Konzert | Schostakowitsch
Über und in finstersten Zeiten komponierte Dmitri Schostakowitsch 1941/42 seine Sinfonie Nr. 7. Wie kaum ein anderes sinfonisches Werk ist ihre Entstehungsgeschichte – ebenso wie das Leben und Wirken des Komponisten – mit den Ereignissen der Weltgeschichte verbunden. In der LENINGRADER steckt ein musikalischer Ausdruck von Gewalt und Bedrohung, eine überzeitliche Anklage gegen Unrecht und Schreckensherrschaft. Der einseitigen Vereinnahmung seiner Sinfonie setzte sich Schostakowitsch vehement entgegen. Der Komponist, der von der sowjetischen Obrigkeit häufig diffamiert wurde, sagte rückblickend über sein bekanntestes Werk: „Ich empfinde unstillbaren Schmerz um alle, die Hitler umgebracht hat. Aber nicht weniger Schmerz bereitet mir der Gedanke an die auf Stalins Befehl Ermordeten. Ich trauere um alle Gequälten, Gepeinigten, Erschossenen, Verhungerten. […] Ich habe nichts dagegen einzuwenden, dass man die Siebte die Leningrader Symphonie nennt. Aber in ihr geht es nicht um die Blockade. Es geht um Leningrad, das Stalin zugrunde gerichtet hat. Hitler setzte nur den Schlusspunkt.“ Eine überzeitliche Botschaft, die (noch immer) bedrückend aktuell ist.
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH (1906–1975)
Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 60 LENINGRADER