Mitten in der großen Wirtschaftskrise der 1930er Jahre rasen Bonnie und Clyde im gestohlenen Auto durch den Mittleren Westen der USA. Sie brausen an Tankstellen, Läden und Banken vorbei, plündern Kassen und lassen die Sheriffs im Rückspiegel zurück. Für die einen sind sie gefährliche Kriminelle, für andere mutige Held*innen, die aus der gesellschaftlichen Norm ausbrechen und damit ein System hinterfragen, das viele Menschen im Stich gelassen hat.
Ein Jahrhundert später ist dieses System nicht verschwunden. Noch immer herrschen Konkurrenzdruck, Massenproduktion und ein Markt, in dem die einen immer mehr besitzen und die anderen immer weniger. Diesmal sind es nicht Bonnie und Clyde, die aufbegehren, sondern zwei Produkte der Warenwelt: ein Kassenbon und ein Kleid. Sie beschließen, sich dem ständigen Kreislauf von Kaufen und Verkaufen zu entziehen. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach einem anderen Weg, jenseits von Konsum und Ausbeutung. Und sie stellen unbequeme Fragen: Wer entscheidet, was etwas wert ist? Was bleibt, wenn Besitz plötzlich keine Rolle mehr spielt?
Ganz ohne erhobenen Zeigefinger packt das Stück von Sofie Boiten und Lorenz Nolting ein drängendes Thema unserer Zeit an: den massenhaften Warenhandel und die damit verbundenen gesellschaftlichen Fragen. Im Kampf gegen Überfluss und Wegwerflogik, die Mensch und Natur schaden, wird das Publikum zum Komplizen der beiden gewitzten Hauptfiguren und hilft Bonni und Kleid dabei, alle Waren aus den Versandlagern zu befreien.