Uraufführungen sind immer etwas ganz Besonderes. Zum ersten Mal wird ein Stück vor Publikum gespielt und verlässt den geschützten Raum des Schreibtisches und der Probebühne. Erste Reaktionen auf das Stück kommen zusammen und die harte Arbeit trägt Früchte.
Doch wie kommt man von der ersten Idee zum finalen Werk? Das wollen wir bei THE FIRST STAGE, hier am Beispiel von Sarah Nemitz und Luitz Hübners LOB DER GERECHTEN, genauer betrachten.
März 2024
„Wieso nicht ein Auftragswerk?“
Antje Thoms, Schauspieldirektorin
April 2024
Die Suche nach den richtigen Autor*innen beginnt.
Schauspieldirektorin Antje Thoms und die Schauspieldramaturginnen Maxi Ratzkowski und Elena Höbarth überlegen gemeinsam, welche Autor*innen sie spannend finden.
„Wer ist perfekt für diesen Auftrag?
Welche Stimmen braucht es auf den Regensburger Bühnen?“
Die erste Wahl
Sarah Nemitz und Lutz Hübner sind die erste Wahl.
Das Autorenduo gehört zu den meistgespielten zeitgenössischen Dramatiker*innen auf deutschen Bühnen. Ihre Stücke werden im In- und Ausland gespielt sowie mehrfach ausgezeichnet. FRAU MÜLLER MUSS WEG wurde von Sönke Wortmann verfilmt, der den Bayerischen Filmpreis für das Beste Drehbuch erhielt.
Eine Anfrage beim Verlag Hartmann & Stauffacher ergibt: Die beiden haben Zeit und Lust!
Juni 2024
„Was ist zeitlich realistisch?“
Die Frage, die gemeinsam geklärt werden muss.
Juli 2024
Ein erstes gemeinsames Treffen in Regensburg
Sarah Nemitz und Lutz Hübner kommen für ein erstes Treffen nach Regensburg.
Sarah Nemitz und Lutz Hübner kommen für ein erstes Treffen nach Regensburg. Bei Kaffee und Kuchen besprechen sie gemeinsam mit Antje Thoms und Maxi Ratzkowski drei Ideen, die sie sich gut vorstellen könnten.
Erstes Treffen
„Die Story ist es, oder?“
Erstes Treffen
Bei einer Idee wird schnell klar: Das passt perfekt!
Insgesamt haben Sarah Nemitz und Lutz Hübner drei verschiedene Ideen mitgebracht, die aber alle über Debattenkultur und gesellschaftliche Streithemen gingen. Eine Idee hat dabei besonders gut nach Regensburg gepasst.
Erstes Treffen
Und abends geht es für Sarah Nemitz und Lutz Hübner noch in eine Vorstellung von STOLZ UND VORURTEIL* (*ODER SO). Dort sehen sie zum ersten Mal ein paar der Schauspielerinnen in Action und sind ganz begeistert von der Frauenpower auf der Bühne. „Wir hatten nen super Abend!“
August 2024
Das gemeinsame Finden des perfekten Themas
Hallo Maxi. Du bist als Dramaturgin der Produktion ja bei jedem Schritt der Entstehung dabei gewesen. Wie lief der Prozess denn ab? Was für Ideen haben Sarah Nemitz und Lutz Hübner mitgebracht?
Zu unserem ersten Treffen hatten die beiden drei Ideen oder auch drei Pitches dabei. Eine Geschichte über einen Prepper, ein Stück über Stadt-Land-Debatten und das, was schlussendlich LOB DER GERECHTEN wurde. Es stand grob die Idee eines überforderten Stadtteilbüros, die Entdeckung eines Judenretters und eines aus dem Ruder laufenden Stadtfestes.
Wieso wurde es genau diese Idee?
...
Hallo Maxi. Du bist als Dramaturgin der Produktion ja bei jedem Schritt der Entstehung dabei gewesen. Wie lief der Prozess denn ab? Was für Ideen haben Sarah Nemitz und Lutz Hübner mitgebracht?
Zu unserem ersten Treffen hatten die beiden drei Ideen oder auch drei Pitches dabei. Eine Geschichte über einen Prepper, ein Stück über Stadt-Land-Debatten und das, was schlussendlich LOB DER GERECHTEN wurde. Es stand grob die Idee eines überforderten Stadtteilbüros, die Entdeckung eines Judenretters und eines aus dem Ruder laufenden Stadtfestes.
Wieso wurde es genau diese Idee?
Wir fanden, das ist eine super Geschichte für Regensburg. Das Stück sollte als Auftragswerk schon auch auf unsere Stadt zugeschnitten werden und da Regensburg mit dem KZ-Außenlager Flossenbürg, den zahlreichen Stolpersteinen und dem Haus von Oskar Schindler – inklusive Gedenktafel lustigerweise – ja eine durchaus spannende jüdische Geschichte hat, hat uns das direkt überzeugt.
Gab es anfangs andere Ideen für den Titel?
Der Arbeitstitel war von Anfang an LOB DER GERECHTEN, das wurde im Prozess auch nie in Frage gestellt. Die Zweideutigkeit mit dem Gerechten der Völker, der geehrt oder auch gelobt wird, und das Selbstbild der Figuren als Gerechte – das hat einfach wie die Faust auf’s Auge gepasst!
Wie sind Lutz Hübner und Sarah Nemitz dann weiter vorgegangen? Wie sah der erste Entwurf aus?
Antje (Thoms, die Schauspieldirektorin) und ich haben ihnen gesagt, wie viele Personen wir besetzen müssen. Deswegen haben sie um die Anzahl der benötigten Figuren herum, Charaktere und Biografien aufgebaut. Im ersten Entwurf waren zum Beispiel nur ausführliche Rollenbiografien und Szenenbeschreibungen. Ein Kinderchor in der Besetzung war da zum Beispiel schon als Idee dabei. Manche Sachen haben sich weiterentwickelt, wie potenzielle Liebesbeziehungen oder der Modestil der Kulturdezernentin.
Und die erste Fassung?
Da stand eigentlich fast alles. Es war nur noch unklar, wie die Festszene aussehen soll. Spielt man das Chaos auf dem Fest aus? Berichtet man nur darüber? Demolieren wir die Bühne im Antoniushaus komplett? Da wollten die Autor*innen im Januar gemeinsam mit Antje und mir drüber reden. Und gemeinsam kamen wir dann auf die Idee, dass während des Festes der Vorhang runtergeht und über das Chaos im Sportkommentatoren-Stil berichtet wird.
Wo habt ihr konkret noch Hand angelegt?
In der zweiten Fassung waren eine Wörter oder Sätze gelb markiert. Dort haben Lutz und Sarah uns gebeten, den Lokalbezug einzubauen. Da ging es um Dinge wie Straßennamen, Kulturorte oder eben auch welche Vereine Florian im Stück zur Zusammenarbeit einlädt. Da haben wir dann Lokalexpert*innen gefragt und den Text für Regensburg passend gemacht. Außerdem dürfen wir in Absprache mit den beiden auch nach der Premiere noch Passagen leicht anpassen, wenn die aktuelle politische Lage sich entwickelt hat. Das war uns allen sehr wichtig, dass der Text während der Laufzeit nie veraltet wirkt, sondern stets aktuell. Denn nur so kann dieses Thema erzählt werden.
Januar 2025
Ein zweites Treffen in Regensburg
Dabei lesen Maxi, Antje und die beiden in verteilten Rollen.
Februar 2025
Ute Radler schickt den ersten Entwurf des Bühnenbilds.
April 2025
Bauprobe im Antoniushaus
Bei einer Bauprobe wird geprüft, ob die Idee des Bühnenbilds tatsächlich auch auf der Bühne funktioniert. Im Antoniushaus ist das alles nochmal spezieller, da es keine „richtige“ Theaterbühne ist, sondern nur eine Übergangslösung. So wie auch das Antoniushaus nur eine Überbrückungsspielstätte ist, bis das Velodrom saniert ist, aber das ist eine andere Geschichte.
„Lässt sich das so umsetzen?“
Bauprobe im Antoniushaus
Die Idee des Bühnenbilds ist es, einerseits eine Hausfassade und damit eine halbwegs realistische Kulisse für die Handlung zu zeigen, andererseits aber auch den Raum des Antoniushauses auf der Bühne zu erweitern.
Die Idee des Bühnenbilds ist es, einerseits eine Hausfassade und damit eine halbwegs realistische Kulisse für die Handlung zu zeigen, andererseits aber auch den Raum des Antoniushauses auf der Bühne zu erweitern. Heißt, dass auf der Bühne beige Vorhänge befestigt werden sollen, die den Farbton der Wände aufgreifen, um die Bühne aussehen zu lassen wie einen Allzweckraum einer Gemeinde. Dort, wo Kinderfasching, Senioren*innenkaffeetreff und eben auch Laientheatervorstellungen passieren. Die Inszenierung wollte bewusst mit dieser Meta-Ebene der Schauspieler*innen spielen und so sollte die Bühne weniger wie Hochglanztheater und mehr wie lokale Laientheatergruppe aussehen.
Das Ergebnis der Bauprobe: Alle Ideen lassen sich so umsetzen! Freie Fahrt für die Werkstätten, die fleißig das Bühnenbild bauen.
Mai 2025
Das erste Interview
Für unser Theatermagazoin führt Maxi Ratzkowski, die betreuende Dramaturgin, ein Interview mit den Autor*innen. Es ist einer der ersten näheren Einblicke, die das Publikum in das Stück und den Entstehungsprozess bekommen.
„Lutz Hübner und Sarah Nemitz zählen zu den meistgespielten Gegenwartsdramatiker*innen auf deutschen Bühnen und feierten mit Stücken wie FRAU MÜLLER MUSS WEG große Erfolge. Exklusiv für das Theater Regensburg haben die beiden vor Ort recherchiert und ein Auftragswerk geschrieben. Die Ideen dafür hat ihnen das aktuelle Zeitgeschehen geliefert: ...
Für unser Theatermagazoin führt Maxi Ratzkowski, die betreuende Dramaturgin, ein Interview mit den Autor*innen. Es ist einer der ersten näheren Einblicke, die das Publikum in das Stück und den Entstehungsprozess bekommen.
„Lutz Hübner und Sarah Nemitz zählen zu den meistgespielten Gegenwartsdramatiker*innen auf deutschen Bühnen und feierten mit Stücken wie FRAU MÜLLER MUSS WEG große Erfolge. Exklusiv für das Theater Regensburg haben die beiden vor Ort recherchiert und ein Auftragswerk geschrieben. Die Ideen dafür hat ihnen das aktuelle Zeitgeschehen geliefert: „Oft sind es einzelne Geschichten oder Zeitungsmeldungen, die uns zu Stücken inspirieren. Bei LOB DER GERECHTEN war es eher eine Verwunderung über das vorherrschende gesellschaftliche Klima: Warum sind eigentlich alle ständig beleidigt oder wütend? Warum beobachtet man bei sich selbst, dass man eine kurze Zündschnur hat und sich viel schneller über gesellschaft liche Debatten oder politische Entscheidungen aufregt? Und vor allem: Warum kann man sich nicht mehr auf simple Dinge einigen, die in nicht allzu ferner Vergangenheit absolut konsensfähig waren? Sind die Diskurse zu komplex geworden?“, so das Duo. Aber wie kann man sich diesen schwer zu beantwortenden Fragen annähern? „Man muss sie auf die Bühne bringen. Und weil der Hintergrund vieler dieser Themen ein schwieriger, fast hoffnungsloser ist, muss man sie komödiantisch behandeln. Und weil die Komödie immer auch ein utopisches Potenzial braucht, also einen Ausblick auf eine Welt, wo man alles irgendwie wieder in den Griff bekommt, ist das Stück ein Tableau der Zumutungen.“ Und damit ein hochaktuelles Schauspiel über die Bedrohung des bürgerlichen Engagements und über eine chaotische Suche nach gesellschaftlichem Konsens, in welchem eigentlich alle doch nur alles richtig machen wollen. „Mit dem kleinen Trost, dass ein stabiles Beharrungsvermögen das beste Mittel gegen die Unversöhnlichkeit der Zeit ist.““
11. Mai 2025
Die ersten Kostümentwürfe von Lucia Becker gehen an das Regieteam. Fast alles soll aus dem Fundus oder Second-Hand-Läden kommen und möglichst nach Alltagsklamotten aussehen.
12. Juni 2025
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Ein Straßenfest mit vielen Regensburger Initiativen? Klingt gar nicht so abwegig. Aber was wäre denn den Initiativen wichtig?
Jung & Gleich e.V.
„Uns ist wichtig, dass die Veranstaltung friedlich abläuft.“
FFF Regensburg
„Keine Teilnahme von rechten Parteien.“
Ach und Krach
„Wir haben keine Lust auf undemokratische Gruppen jeglicher Couleur.“
Fem*Jam
„Kein Raum für menschenfeindliche Meinungen.“
ANA Regensburg
„Für eine Abschaffung von Hierarchie im Sinne universeller Gleichheit.“
Refugee Law Clinic Regensburg
„Niedrigschwellige Möglichkeiten zur Begegnung!“
eben.widerspruch
„Ein Awareness Konzept und genügend FLINTA als Acts auf der Bühne!“
Was würde also passieren, wenn zum Beispiel rechte Gruppen eine Teilnahme beim hypothetischen Straßenfest fordern?
Vielleicht würde es große Diskussionen im Plenum geben. Vielleicht würden die linken Gruppe ihre Teilnahme absagen. Vielleicht würde es Schlägereien auf dem Fest selbst geben. Trifft LOB DER GERECHTEN vielleicht sogar relativ genau, wie das alles ablaufen würde?
25 Tage bis Premiere
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Die ersten Fotos der Inszenierung entstehen! Es läuft noch nicht alles glatt, aber Ensemble und Regieteam sind zuversichtlich. „Es ist lustig, das hab ich im Probenprozess manchmal vergessen. Aber heute musste ich fast selber über uns und den Text lachen!“
8 Tage bis Premiere
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Das Regieteam sowie die Autor*innen stellen ihre Konzepte vor und lassen sich vom Publikum mit Fragen löchern. Besonders interessant war für viele die Zusammenarbeit von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Wie kann man sich das vorstellen?
Matinee
„Theater ist Dialektik.“
Matinee
Lutz Hübner meinte dazu: „Theater ist Dialektik. Wenn ich Sarah eine Idee erzähle und sie nach wenigen Sekunden verliere, kann ich die Idee direkt streichen. Wir beide müssen Spaß mit der Geschichte haben und so lassen sich Themen ganz leicht aus mehreren Perspektiven beleuchten."
6 Tage bis Premiere
„Es funktioniert!“
Lutz Hübner und Sarah Nemitz nach einer öffentlichen Probe voller lauter Lacher
28. September 2025
Es ist soweit! Die Premiere findet statt. Das Publikum gibt Szenenapplaus, es wird laut gelacht und beim Schlussapplaus steht der gesamte Saal. Auch nach der Vorstellung bleiben viele zur Premierenfeier und tauschen sich angeregt über die Botschaft des Stücks. Ein voller Erfolg!